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Der Nordkorea-Arbeitskreis der Hochschulgruppe Bonn

Kein einziges Menschenrecht wird in Nordkorea grundlegend gewährt. Die Menschen dort dürfen weder offen ihre Meinung äußern, noch sich frei im Land bewegen. Jeder, der den Führer nicht deutlich sichtbar verehrt, oder ihn womöglich gar kritisiert, läuft Gefahr, zur "Umerziehung" in eines der großen Gefangenenlager verschleppt zu werden. Der Zwang zur gegenseitigen Denunziation und das Prinzip der Sippenhaft schaffen ein Klima der Angst und des gegenseitigen Misstrauens. Da Millionen Menschen unterernährt sind und die Gesundheitsversorgung völlig unzureichend ist, häufen sich besonders im Winter die Todesfälle. Besonders schlimme Zustände herrschen in den sechs Arbeits- und Gefangenenlagern: Hier gehören für tausende Menschen Hunger, Folter und öffentliche Exekutionen zum grausamen Alltag. Kinder müssen in diesen Lagern ebenso gefährliche Zwangsarbeit leisten wie alte und kranke Menschen. Um die Öffentlichkeit auf diese Situation aufmerksam zu machen hat unser AK unter anderem Infostände organisiert und Unterschriften gesammelt, ein Nordkorea-Quiz entworfen, im Woki den Film „Camp 14“ gezeigt und mehrere Vorträge zur Menschenrechtslage in Nordkorea organisiert.

Satellitenbild von Yodok
Satellitenbild von Yodok
Foto: © Analysis secured by Amnesty International, © 2011 DigitalGlobe, Inc

Gefangenenlager Yodok Nordkorea

Bis zu 50.000 Menschen, darunter auch Kinder, werden unter unmenschlichen Bedingungen im Straflager für politische Gefangene Yodok in Nordkorea festgehalten.

Yodok ist eines von sechs bekannten Straf- und Arbeitslagern für politische Häftlinge in Nordkorea, in denen tausende Menschen inhaftiert sein sollen. Sie wurden entweder gänzlich ohne Prozess eingesperrt oder auf der Basis von durch Folter erzwungenen "Geständnissen" verurteilt.

In Yodok gibt es zwei Zonen: Gefangene in der "revolutionären Zone" werden nach Haftstrafen zwischen einem und zehn Jahren freigelassen, Häftlinge in der "totalen Kontrollzone" bleiben in der Regel ihr Leben lang inhaftiert.

Gründe, die zu einer Inhaftierung führen, sind beispielsweise Kritik an der politischen Führung des Landes, Kontakt zu südkoreanischen Staatsbürgern, der Empfang südkoreanischer Radiosender oder ein Fluchtversuch in die angrenzenden Länder. Besonders grausam ist die Praxis, dass häufig auch Angehörige der Verurteilten mit eingesperrt werden, darunter Eltern, Großeltern und Geschwister. Kinder, die in dem Lager geboren werden, sind automatisch Häftlinge und müssen ihr gesamtes Leben dort verbringen.

Männer, Frauen und Kinder müssen bis zu zwölf Stunden am Tag unter lebensgefährlichen Bedingungen Zwangsarbeit verrichten, beispielsweise in Bergwerken und Lederwarenfabriken. Selbst bei kleinsten Verstößen gegen Regeln oder Befehle werden sie mit Folter und anderen Misshandlungen bestraft. Außerdem erhalten die Häftlinge nicht genug zu essen und die medizinische Versorgung ist sehr schlecht. In der Folge werden viele Häftlinge krank oder sterben in Haft. Öffentliche Hinrichtungen von Häftlingen, die fliehen oder Nahrung stehlen wollten, sind an der Tagesordnung.

Die nordkoreanische Regierung bestreitet vehement, dass es Yodok und die anderen Straflager gibt, obwohl Berichte ehemaliger Wachposten und Häftlinge sowie Satellitenbilder ihre Existenz belegen.

Seit den 1940er Jahren gibt es in Nordkorea Straflager für politische Gefangene. Die meisten Häftlinge sind dort ohne Gerichtsverfahren und aufgrund ihrer angeblichen Bedrohung für den nordkoreanischen Staat inhaftiert. Vor 20 Jahren wurden vier Lager an der chinesischen Grenze aufgrund von Protesten internationaler Organisationen geschlossen. In den letzten Jahren scheint die Anzahl der politischen Gefangenen in Nordkorea wieder angestiegen zu sein, denn Amnesty beobachtete 2011 eine signifikante Vergrößerung der Lagerflächen anhand von Satellitenbildern.

Unterschreiben Sie hier unsere Petition zur Schließung politischer Straflager in Nordkorea.


Nordkoreanische Flüchtlinge in China

Mitte Februar 2012 haben chinesische Behörden mindestens neun nordkoreanische Staatsbürger in ihr Heimatland abgeschoben. Weitere NordkoreanerInnen, die sich zurzeit in chinesischer Haft befinden, stehen ebenfalls kurz vor der Abschiebung.

Nordkoreanischen Staatsbürgern, die ihr Land ohne offizielle Genehmigung verlassen, drohen bei ihrer Rückführung harte Strafen, wie willkürliche Inhaftierung, Zwangsarbeit, Folter und Hinrichtung. Außerdem besteht die Gefahr, dass sie Opfer des Verschwindenlassens werden. Im Januar 2012 verschärfte eine erneute Strafandrohung der nordkoreanischen Behörden gegen Landesflüchtlinge die Lage weiter.

Die UN-Flüchlingskonvention (UN-Refugee Convention), die auch China unterzeichnet hat, untersagt die direkte oder indirekte Rückführung von Personen in ein Land, in dem ihnen Verfolgung, Misshandlungen oder Tod drohen. Amnesty International ist der Meinung, dass allen NordkoreanerInnen in China der Flüchtlingsstatus zusteht, da sie bei Rückführung Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt werden.

Unterschreiben Sie hier unsere Petition gegen die Abschiebung von nordkoreanischen Flüchtlingen aus China.

Das kranke Gesundheitssystem Nordkoreas

Der Amnesty-Bericht „The crumbling state of health care in North Korea“ aus dem Jahr 2010 enthüllte den katastrophalen Zustand des nordkoreanischen Gesundheitssystems. Die Arbeitsbedingungen medizinischer Einrichtungen sind desolat und von schlechten Hygienezuständen, Stromausfällen und fehlenden Heizungen geprägt. Ausgebildete Mediziner haben keinen Anspruch auf Entlohnung, in den Krankenhäusern herrscht ein großer Mangel an Versorgungsgütern. Die nordkoreanische Regierung behauptet zwar, jeder Bürger habe kostenlosen Zugang zu einer angemessenen Gesundheitsversorgung, das Kim-Regime investiert jedoch nur etwa einen halben Dollar pro Jahr und pro Person in die medizinische Versorgung. Für viele Nordkoreaner ist daher der ausgeprägte Schwarzmarkt die einzige Alternative, um sich dort mit oftmals mangelhaften Medikamenten zu versorgen. Diese sowie falsche Selbstdiagnosen haben gravierende Folgen, wie beispielsweise die Abhängigkeit von bestimmten Präparaten. Die Lage wird zudem durch die Nahrungsmittelknappheit verschärft, die das Land seit zwei Jahrzehnten beherrscht und von der Regierung zur Unterdrückung von Widerstand und Kritik instrumentalisiert wird. Mehr als ein Drittel der Bevölkerung leidet an Hunger und vor allem Kinder sind aufgrund ihrer Unterernährung vom Hungertod bedroht. Besonders fatal ist die unzureichende medizinische Versorgung für die Inhaftierten in Nordkoreas Gefangenenlagern. Viele sterben elendig an den Folgen von Folter, Mangelernährung und Entkräftung. Damit verstößt Nordkorea gegen Art. 10 des Paktes über zivile und politische Rechte, dem das Land jedoch beigetreten ist.

Hier geht es zum aktuellen Amnesty-Bericht "Connection Dennied"

Mehr Informationen zur Menschenrechtslage in Nordkorea gibt es auf der Homepage der Koordinationsgruppe Korea von Amnesty International